JVA-Besuch

In Gotteszell in Schwäbisch-Gmünd muss man den lieben Gott etwas länger suchen, aber Zellen finden sich dafür umso mehr.

Davon konnten wir, die AG´s des Landgerichts Ellwangen, uns an einem schönen Montagmorgen höchstpersönlich überzeugen. Die Gefängnisleitung von Gotteszell, Claudia Zink, hatte es gemeinsam mit unserer Ausbildungsleiterin Ursula Grimm-Hanke für uns und einige andere Auszubildende möglich gemacht, die JVA im Rahmen einer Führung zu besichtigen.

Die JVA Gotteszell beherbergt bis zu 355 Insassen bei maximaler Kapazität und ist in Baden-Württemberg neben Bühl mit nur drei Plätzen die einzige Anstalt für Frauen. Aus dieser Monopolstellung ergibt sich die Allzuständigkeit von Gotteszell: Kurz- und Langstrafen, sowie Sicherheitsverwahrte und Jugendsträflinge sind hier alle untergebracht.
Sie befindet sich in einer ehemaligen Klosteranlage und wird daher gemeinhin auch als das „schönste Gefängnis Baden-Württembergs“ bezeichnet.

Nicht unterschätzen sollte man den Verkehr: nachdem wir von Ellwangen nach Schwäbisch-Gmünd fahren mussten, kamen wir gerade noch pünktlich an der JVA an.
Wichtig vor allem der aktuelle Corona-Test und eine FFP2-Maske, denn die JVA muss an dieser Stelle natürlich dringende Vorkehrungen treffen, um eine The-Walking-Dead-Situation zu vermeiden.
Ungünstig war es allerdings, wenn man den Corona-Test nur auf dem Handy vorweisen konnte, denn dieses musste danach wieder zum Auto zurückgebracht werden. Jegliche elektronische Geräte sind in der JVA auch bei Besuch verboten.

Nach der Ausweisabgabe wurden wir ins Gebäude eingeschleust und besuchten zuerst den Arbeitsbetrieb. Hier gibt es viele Arbeitsplätze im Montagebetrieb für Industriekunden.
Hier herrscht in jeglicher Hinsicht Gleichberechtigung: Ein Würth-Kalender existiert schließlich vor allem mit männlichen Modellen 😉
Aber auch eine Wäscherei und Schneiderei sind als Arbeitsmöglichkeiten vorhanden.

Den Haupt- oder Realschulabschluss kann man ebenfalls in Gotteszell nachholen; insbesondere ist aus den Zeugnissen gemäße dem StVollzG BW nicht ersichtlich, dass dieser Abschluss in einer JVA erzielt wurde. So werden den Gefangenen gute Bildungschancen ermöglicht, um einen Berufseinstieg nach der Haft zu erleichtern.

Sogar eine Mutter-Kind-Abteilung bietet die Möglichkeit, die ersten Jahre des Lebens gemeinsam zu verbringen.

Neben den Arbeitsbereichen erhielten wir auch einen Einblick in die Verwaltung mit der Möglichkeit, Fragen an die verschiedenen Mitarbeiter der JVA zu stellen. Claudia Zink stand uns während der ganzen Führung immer mit einem offenen Ohr zur Seite. So wurde jede einzelne Frage während der drei (!) Stunden unseren Aufenthalts zur vollsten Zufriedenheit beantwortet.

Gott gefunden haben wir dann letztlich bei einem Besuch der institutseigenen Kirche, was bei den doch steigenden Temperaturen eine willkommene Abkühlung bot. Trotz unterschiedlicher Religionszugehörigkeit der Insassinnen findet hier jede Woche ein Gottesdienst statt, der regen Anklang findet. Messewein wird allerdings nicht ausgeschenkt.

Doch so schön die Anstalt auch sein mag, ist die bedrückende Realität, dass schon um 16 Uhr die Türen der Anstalt für die Insassinnen geschlossen werden und sie daraufhin sich selbst überlassen sind. Letzen Endes hat uns Frau Zink den Alltag im Gefängnis ungeschönt und ehrlich dargestellt, sodasss wir uns einen guten Eindruck von der Realität hinter Gittern bilden konnten.
Jedoch bleibt dabei zu bedenken, dass man als Außenstehender immer nur einen Bruchteil dessen erfahren kann, was wirklich zu einem Leben dort dazugehört. Insgesamt war der Ausflug eine lehrreiche Erfahrung und wir sind froh, dass wir die Möglichkeit hatten, diese zu machen.

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